Damit wir nicht dem Stendhal-Syndrom zum Opfer fallen, reisten wir vor einigen Wochen nach Amsterdam frei nach dem Motto „es gibt nichts zu verpassen, nur vieles zu sehen“.

Oder eben „zu viel Kultur vernebelt die Sinne“. Wir hatten überhaupt keinen Plan, aber ein Ziel: Amsterdam einfach ohne To-Do-Liste genießen. 

Keine einzige Sehenswürdigkeit oder Museum auf dem Programm, überhaupt keine richtige Idee von der Stadt und dabei noch völlig entspannt – das trifft es ziemlich gut.

Jan war vor einigen Jahren schonmal in Amsterdam, Julia noch nie. Aber wir wollten schon unheimlich lange mal hin und von Köln aus ist es quasi ein Steinwurf. Also fast, aber 2-3 Stunden Fahrt sind trotzdem so gut wie nichts. Dass wir so relaxt waren liegt (nein, natürlich nicht an Gras ^^), sondern besonders daran, dass wir wissen, wir kommen im Mai nochmal wieder, denn die niederländische Hauptstadt liegt auf unserer Schiffsroute, wenn Jans Dreharbeiten zu „Kreuzfahrt ins Glück“ weitergehen.


– Where to stay –

Als wir losfuhren hatten wir noch nicht mal ein Hotel, aber das stresst uns dank der Hotel Tonight App schon lange nicht mehr. *g* Gelandet sind wir letztendlich im traditionellen Sofitel Legend The Grand.

Ein 5-Sterne Hotel mit vielfältiger Geschichte, einer tollen, zentralen, aber dennoch ruhigen Lage zwischen zwei Grachten, in dem die Preise sagen wir mal … fantasievoll sind. 😉

Es war ein toller Aufenthalt, die Betten sind ultra bequem und Blick und Lage ein Knaller, aber das Preis- Leistungsverhältnis war in unseren Augen nicht so richtig ausgewogen (DZ ohne Frühstück mehr als 300 Euro). Vielleicht auch unserer kurzfristigen Buchung geschuldet. 🙂


– Amsterdam City Flair –

Dass die holländische Grachtenstadt unter der Last ihrer Beliebtheit stöhnt, das ist uns nicht wirklich aufgefallen, aber es war auch Winter und nicht gerade Hochsaison für Kreuzfahrtschiffe in dieser Region.

Dennoch hat Amsterdam tatsächlich ein ernst zu nehmendes Touristenproblem, gegen das mit Hilfe der Regierung gravierend angegangen wird.

Merkt man hier natürlich besonders, denn Amsterdam ist mit gerade mal 850.000 Einwohnern nicht gerade eine Metropole.

Verübeln kann man es den Touristen nicht, denn Amsterdam ist wirklich eine der schönsten Städte Europas und hat alleine durch ihre 165 Kanäle (Grachten) ein unbeschreibliches Flair.

Seit 2010 gehört der Amsterdamer Grachtengürtel zum Weltkulturerbe der UNESCO ….

…. und bei unserem nächsten Aufenthalt wollen wir auch unbedingt eine Grachtenfahrt machen, um die ganzen historischen Kaufmannshäuser und reich verzierten Fassaden noch besser zu sehen.

Da empfiehlt es sich übrigens, nicht zu den überlaufenen Ablegespots zu gehen, sondern sich ruhigere Ecken zu suchen und ein Boot zu erwischen, das nicht ganz so stark frequentierte Grachten abfährt.

Ansonsten ist Amsterdam ein wahres Eldorado für Designliebhaber und Foodies und wer die üblichen Megastores satt hat, dem können wir wärmstens die 9 Straatjes empfehlen.

Das sind 9 malerische Straßen im Herzen von Amsterdam, in denen sich jede Menge kleine und individuelle Läden finden: originelle Pop-Up Stores, Second-Hand-Shops, Plattenläden, Schmuck, Kunst, Schuhe, Taschen, Kosmetik und und und.

Viele haben auch am Sonntag geöffnet.

Kleiner Nachtspaziergang:


– Wer bremst, verliert –

Könnte das Amsterdamer Motto sein.^^ Dass es in der Stadt der Fahrräder viele Fahrräder gibt, das war uns natürlich klar, aber es hat durchaus auch absurde Züge.

Trotz Fahrradwegen gibt man in Deutschland ja immer ein bisschen Acht auf seine Umgebung, aber die fahren wirklich ohne Rücksicht auf Verluste. Manchmal fanden wir das gar nicht so witzig, was eigentlich nur an Niki lag, der mittlerweile einfach auch sehr gerne zu Fuß die Gegend erkundet und dem Fahrradfahrer natürlich ziemlich latte sind.

Vielleicht sahen wir deswegen erstaunlich wenig Kinder. Gut auch, dass wir kein festes Programm hatten, denn irgendwie hielten wir Niki gefühlt den ganzen Tag davon ab, sich selbst umzubringen. Da wären die beschriebenen unzähligen Fahrradfahrer, die teilweise gar nicht oder für Kiddies nicht ausreichend gesicherten Grachten oder gerne auch die mörderischen Treppen in Keller oder Souterrain, die unmittelbar neben den ohnehin irre engen Fußwegen eigentlich vor jedem Haus auftauchen.

Also wir wussten, was wir getan hatten, als wir den Lütten abends ins Bett steckten. 😉

Haben wir erwähnt, dass dieses Szenario mittlerweile leider echt eine Seltenheit ist? ^^ So schade. Nachdem wir unseren Day 2 von Joolz nun mittlerweile auf Herz und Nieren getestet haben, kommt in Kürze auch endlich ein umfangreicher Erfahrungsbericht.


– Where to eat –

Wie immer, wenn wir eine neue Stadt auf dem Zettel haben, sucht Julia vorher bei Pinterest nach unzähligen Tips, wo man was besonders gut essen kann. So auch in Amsterdam, aber nach kurzer Zeit klappte sie den Laptop überfordert zu und wir beschlossen, uns einfach treiben zu lassen. Da scheint es ja ohnehin so viel zu geben, dass man an jeder Ecke was Gutes findet. Dem war auch so.


Kein Besuch in Amsterdam ohne Pommes! 🙂

Da sind die Niederländer ja wahre Gourmets. Am liebsten handgeschnitten, groß und mit ganz viel Soße. Und außen knusprig, innen weich. Vlaams Friteshuis Vleminckx ist mit seiner langen Schlange und appearance in jedem Touristenführer sicher kein Geheimtip mehr, wäre aber bestimmt auch einen Besuch wert gewesen. Wir kamen spontan an einem Marktplatz und einer vertrauenswürdigen kleinen Bio-Frittenbude vorbei und genossen dort eine frisch frittierte Portion holländischer Pommes. Yummie!!


The Seafood Bar ist in Julias Feed aufgetaucht und als wir zufällig an ihr vorbeiliefen, beschlossen wir spontan reinzugehen. Dass wir da am Samstag Abend einen Tisch ergatterten, das war mehr Glück als Verstand, denn dieses Restaurant ist zurecht ein mehr als stark frequentiertes Plätzchen und das Essen dort ein Erlebnis. Mutet auf den ersten Blick eher an wie eine Markthalle, denn ein Großteil des fangfrischen Fischs und der Meeresfrüchte sind ausgestellt, so dass man den Catch of the Day auch direkt sieht, bevor er auf dem Teller landet.

Hier sind sie schnell, super freundlich und das Essen ist ein Gedicht. Wenn ihr richtig Hunger habt, dann würden wir euch das Plateau Deluxe empfehlen, das sah am Nachbartisch sensationell aus. Wir entschieden uns für eine französische Fischsuppe, Tartar, Muscheln und Riesengarnelen – alles fantastisch. Niki war vollkommen begeistert von dem Mann, der am laufenden Band frische Austern öffnete, kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus und hatte deswegen keine Zeit zum Essen.

Auf der anderen Seite des Flusses IJ liegt die NDSM Werft, früher eben Werftgelände, heute Kulturzentrum und kreativer Arbeitsplatz mit einer lebendigen Künstlergemeinschaft und ständig wachsenden Vielfalt an Bars und Restaurants. Sozusagen ein neu erblühter kultureller Hotspot.

Hier findet man auch die IJ Kantine, eine coole Brasserie in einer alten Backstein-Industriehalle.

Sie liegt direkt am Wasser und man hat einen spektakulären Blick auf Amsterdam. Für uns gab es Kaffee und kleine Snacks. Tolle, ungezwungene und sehr kinderfreundliche Atmosphäre, als wir da waren sogar Live-Musik!

Die Pancake Bakery ist in der Nähe des Anne Frank Haus und während die Niederlande ja eigentlich ihre Poffertjes hat, werden hier seit 1973 hauptsächlich dänische Pancakes serviert (Poffertjes aber trotzdem auch).

Und wenn in Amsterdam – müssen Pancakes einfach sein. 🙂 Die sind etwa so dick wie unsere Eierpfannkuchen, riiiiiesig und sau lecker. Es gibt alle erdenklichen Kombis, von süß bis deftig (oder süß und deftig).

Wir entschieden uns für süß (quelle surprise). Zu dem Anlass steht auch direkt mal ein riesen Topf Ahornsirup auf dem Tisch, keine Ahnung wer den braucht, wir starben ohnehin fast am einem Zuckerschock.

Waren ganz froh, dass Niki unseren Besuch hier verpennte, haha. Hinterher stanken wir wie eine Fritteuse, aber hey, für die Pancakes hat es sich gelohnt!

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Informatorisch: Coffee-Shops sind in Amsterdam ein Ort, an dem Cannabis verkauft und geraucht werden kann. Die Coffee-Shops dürfen 500 Gramm Marihuana lagern und davon bis zu 5 Gramm an Erwachsene verkaufen. Obwohl wir nicht empfindlich und sowieso tolerant sind – soll das jeder machen, wie er möchte – (wir hätten auch ohne Niki kein Interesse daran gehabt, in einen zu gehen), hat der Geruch von Marihuana nach 2 Tagen manchmal echt genervt. Denn der hängt teilweise doch echt heftig in den Straßen. Das nur am Rande, weil es scheinbar viele interessiert, aber recht wenig drüber gesprochen wird.


– A´DAM Lookout, Panoramablick über Amsterdam –

Bevor wir uns auf die Rückreise machten, ging es für uns im Aufzug mit Lichteffekten in 22 Sekunden 20 Stockwerke hoch…

… auf das Aussichtsdeck A´DAM Lookout mit unübertroffenen Panoramablick über Amsterdam.

Das befindet sich auf der Spitze des A’DAM Turmes in Amsterdam Nord (über den Fluss rüber) und ist etwa 100 Meter hoch.

Für besonders Wagemutige oder Adrenalinjunkies gibt es noch “Over The Edge”, Europas höchste Schaukel auf dem Aussichtsdeck, mit der man über den Rand des A’DAM Turmes schaukelt. Allerdings ohne uns. 😉

Oben im A´DAM Turm findet ihr ein Panoramarestaurant mit einer lounge-igen, ungezwungenen und stylischen Atmosphäre und wir wären gerne noch für einen Sundowner und ein kurzes Abendessen geblieben, aber es war spät am Sonntag Abend und wir mussten dringend zurück in die Rheinmetropole.

Sowohl das alte, als auch das neue Hafengelände in Amsterdam sind einen Besuch wert..

Beautiful Amsterdam, see you in May!

Julia und Jan